Der Tod macht uns alle gleich

Dieses Foto wurde während des Begräbnisses des türkischen Politikers Necmettin Erbakan (möge er in Frieden ruhen) gemacht. Es zeigt einen anderen türkischen Politiker. Recep Tayyip Erdogan. Ich sah es vor einigen Minuten und der Kloß meldete sich in meinem Hals. Ganz unabhängig davon, wer abgebildet ist und welchen Beruf er ausübt, welche Stellung er hat, ob ich ihn mag oder verabscheue. Mir geht es nur um den emotionalen Hintergrund dieser Sekunde und um die Beziehung der beiden. Ich möchte keine politischen Diskussionen eingehen. Wer ihre Freundschaft, Lehrer-Schüler-Beziehung und die anschließenden Probleme kennt, weiß was ich meine.

Ich sah mir dieses Foto an und es kam mir alles so bekannt vor. Dieser Gesichtsausdruck, das Anhalten, Warten, Vorbeiziehenlassen. Eine unglaubliche Traurigkeit, zwei unangenehme Müdigkeiten , die auf den Schultern lasten. Und die Enge. Manchmal muss man tausende von Masken tragen, um andere glücklich zu machen, sie von einem selbst zu überzeugen, keine Schwächen zu zeigen, seiner Rolle gerecht zu werden. Dabei gibt es nur wenige Momente, wo man alle Masken fallen lässt, nicht weil man sie fallen lassen darf, sondern weil man Mensch ist. Mensch! Dieser Moment, der auf diesem Foto abgebildet wurde, ist so einer. Er enthält, so denke ich, keinen Hauch von Verlogenheit.

Das schönste an dieser Geschichte ist, niemand weiß was er in jener Sekunde denkt. Vielleicht gehen ihm Bilder durch den Kopf, Entschuldigungen, Satzfetzen, gemeinsame Ideen, Enttäuschungen. Er wird seine Gedanken niemandem offenbaren… können. Bis in sein Grab wird er sie tragen. Und irgendwann wird jemand genau so vor ihm stehen. Der andere wird die Stirn runzeln und frieren. Er wird liegen.

Immer und immer wieder erzähle ich es mir. Ich wiederhole es jeden Tag. Bis sich das Erdbeben legt und die Erde ruht: Der Tod macht uns alle gleich. Verstehst du?

4 Gedanken zu “Der Tod macht uns alle gleich

  1. Bei dem gleichen Endpunkt den alle Menschen erreichen werden, der Tod, ist wirklich sehr unverständlich das es so viele Unterschiede zwischen uns gibt.
    Wir kommen von Allah, und werden wieder gewollt oder ungewollt zu ihm zurückkehren.

  2. Also offen gestanden möchte ich im Tode nicht so sein wie Erbakan. Und auch nicht in seiner Nähe von Würmern gefressen werden.

    Wenn es Unterscheidungen im Leben gibt und man an ein Leben nach dem Tode glaubt, wird es auch im Paradies diese Unterschiede geben.
    Oder?

  3. Erst der Tod macht uns unterschiedlich. Der Tod macht uns ungleich, denn dann wird jeder an den Bestimmungsort kommen, den er verdient.

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