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Als ich vor einigen Tagen, mittlerweile müssten es Wochen gewesen sein, in unserer wunderschön monotonen Unibibliothek saß war es ziemlich spät. Ich musste am nächsten Tag eine Klausur schreiben, für die ich sehr wenig gelernt hatte und zu dem Zeitpunkt nicht wusste, dass ich sie ohne eine einzige Antwort hingeschrieben zu haben abgeben werde. Aber das war auch besser so. Ich saß also da, zur späten Stunde, in einer versteckten Ecke und hatte einige Bücherregale und eine nette aber kahle Wand in meiner Nähe. Als ich ein wenig verzweifelt, aber grundlos hoffnungsvoll meine Augen durch die Gegend streifte, blieb ich an meiner Wasserflasche stehen.
Sie ist eine kleine 0,5-Liter Flasche der Marke vio. Ich fülle sie zu Hause auf, weil ich den Preis in der Cafeteria für ein bisschen Wasser zu teuer finde. Meine Verärgerung über den Preis ist so deutsch und mein Nachfüllen ist so türkisch, oder? Jedenfalls sieht sie immer so mitgenommen aus, was aber eigentlich nichts zur Sache tut. Als ich also in jenem Moment auf meine zerknautschte Flasche sah, liefen meine Synapsen auf Hochtouren und die Assoziationen flogen durch die Luft. Das habe ich oft. Manchmal höre, spüre, rieche ich etwas und muss an einen Ort, ein Geschehen oder einen Menschen denken. Anstrengend kann das sein, wenn man vorallem im Spiegel sich selbst in die Augen schaut und nicht an sich selber denkt.
Um zur Flasche zurückzukommen. Sie erinnerte mich auch an etwas. Richtiger; an jemanden. An meine Oma. Meine Oma hatte für uns flaschenweise ”heiliges Wasser” in ihrem Schrank und wir durften an Prüfungstagen um 7:15 Uhr daraus trinken. Es waren Flaschen, die monatelang dort standen, die sie mit Gebeten segnete. Das Wasser schmeckte auch dementsprechend komisch, etwas kalkig und lauwarm. Ich weiß nicht, ob es Aberglaube ist oder nicht. Ehrlich gesagt interessiert mich das auch nicht. Und noch ehrlicher gesagt, ich habe nie daran geglaubt. Es war aber ein unglaublich erfüllendes Gefühl sie glücklich zu sehen. Noch erfüllender war es für sie, das Gefühl zu haben, sie könnte uns so helfen und dafür sorgen, dass wir gute Noten schreiben. Das wusste ich.
In jenem Moment in der Bibliothek fehlte mir etwas. Ich wusste nicht was es war. Das Wasser, vielleicht der genaue Geschmack des Wassers, morgens auf den leeren Magen Wasser herunterspülen, einfach sie oder ihr Geruch… Dann streckte ich meine rechte Hand aus. Ich glaube es war reflexartig, ich habe nicht nachgedacht. Meine Hand berührte die Wand und ich fühlte… zu meinem Staunen. Nur eine Wand. Rote Backsteine mit grauem Zeug dazwischen. Eine kalte Wand.
Was ich in dieser Sekunde fühlte, kann ich nicht beschreiben. Ich konnte es nie. Man brachte mir bei, dass das die Sehnsucht sei.
[Dieser Text wurde nicht auf Fehler überprüft, aber manchmal kommt eine Flut, die ich nicht stoppen kann. Wird nachgeholt.]
Schöner, sehr schöner Text, canim. Schön.
„Anstrengend kann das sein, wenn man vorallem im Spiegel sich selbst in die Augen schaut und nicht an sich selber denkt.“
„Man brachte mir bei, dass das die Sehnsucht sei.“
Seh’n- Sucht ! – wonach?
Vielleicht danach mal an sich selber denken zu können – ohne Selbstzweifel und Ängste?
fatma ich muss erst einmal gestehen…ich war lange nicht mehr auf deinen blog …zuletzt vor wochen…monaten…
ich wollte deinen text über meine heldin…lesen…da ich auch heute sehnsucht nach meiner oma hatte…und was sehe ich du hast einen neuen schönen text über sie…
danke schwester…das du meine gefühle verschriftlichen kannst…
möge ALLAH cc. unsere liebe Oma mit dem Paradies belohnen…